Wesen

Die Charakterzüge des Großen Münsterländers

Jeder Große Münsterländer benötigt ein starkes Nervenkostüm und ein souveränes Wesen, um für seine vielseitig jagdliche Zweckbestimmung in Feld, Wald und Wasser leistungsbezogen „vor“ und „nach“ dem Schuss brauchbar zu sein. Ein ängstlicher, scheuer oder aggressiver Hund kann im Jagdgebrauch nicht bestehen. Die wichtigste Eigenschaft des GM ist die zuverlässige Verwendbarkeit für die Jagd. Dies ist von höchster Bedeutung und wird züchterisch gefördert. Als Ergebnis langjähriger Selektion hat der Große Münsterländer einen ausgeprägten Jagdinstinkt verbunden mit einer hohen Arbeitsfreude. Unbekannte oder brenzlige Situationen wird ein wesensstarker GM selbstbewusst meistern. Dies ist nicht nur bei der Jagd ein vielgeschätztes Wesensmerkmal, sondern kommt dem Familienleben mit Hund ebenso zu Gute.

 

Aufgrund der engen Verbundenheit zu seiner Familie entwickelte der Große Münsterländer eine starke Wachsamkeit. Er eignet sich nicht für ein Leben in einer engen Stadtwohnung. Ein GM ist zwar kein "Kläffer", doch eine Haltung im Hochhaus mit vielen Parteien kann zu Konflikten führen. Große Münsterländer besitzen durchaus eine gewisse Strebsamkeit als Hof- und Wachhund. Die früher geforderte Mannschärfe ist in der heutigen Zeit zumeist nicht mehr gewünscht und wurde bei vielen (Jagdhunde)Rassen bereits teilweise zurück gedrängt. Grundsätzlich bleibt ein GM ein ausgeglichener Hund, der Fremden gegenüber zurückhaltend/freundlich ist. Ein gewisser Schutzinstinkt ist beim Großen Münsterländer jedoch geblieben. Spürt er ernsthafte Gefahr für seine Familie, verteidigt er sie energisch und vehement. Auch die Wild- und Raubzeugschärfe (welche für eine weidgerechte Jagdausübung unverzichtbar ist) steckt als angewölfter Wesenszug fest verankert in den Genen des Großen Münsterländers. Nicht nur kleine Haustiere (wie Kaninchen oder Meerschweinchen) sind gefährdet, auch wehrhafte Tiere haben keine Chance gegen diese Schärfe. Lässt die Situation es zu, ist Nachbars Katze Geschichte. Ein Großer Münsterländer macht keine Gefangenen!

 

Im Wesen gilt der Große Münsterländer als lebhaft. Dies sollte jedoch nicht Nervosität verwechselt werden. Lebhaft bedeutet in diesem Falle, dass der GM kein Stubenhocker ist. Für Menschen, die nicht intensiv mit ihm arbeiten wollen oder können ist diese Rasse nichts. Arbeitslos vegetiert er dahin und entwickelt Verhaltensprobleme. Als Arbeitshund will der GM beschäftigt werden und braucht täglich Auslauf. Die enorme Intelligenz des GM ist herausragend. Er ist kein reiner Befehlsempfänger. Seine wachen Sinne und sein Jagdverstand lassen ihn mitdenken und Lösungswege finden. Seine Aufgaben erledigt er mit Passion, Härte und Temperament. Abseits dessen ist er für sein ruhiges und angenehmes Wesen bekannt. 

 

Weitere Eigenschaften sind Führigkeit und Gelehrigkeit. Ein Großer Münsterländer möchte seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und mit seinem Herrn intensiv zusammen arbeiten - sofern sich dieser aus Hundesicht als geeignet erweist ;). Als Vorstehhund gilt er als leicht abzuführen - doch Vorsicht! - der Große Münsterländer fordert eine einfühlsame und gleichzeitig konsequente Erziehung. Dieser Spagat ist nicht immer ganz einfach, weshalb er kein Anfängerhund ist. Und trotzdem eignet er sich auch für Erstlingsführer. Der Große Münsterländer deckt fast alle Aufgabengebiete im Jagdgebrauchshundebereich ab. Insbesondere, wenn man als Jungjäger noch nicht genau weiß, wohin die jagdliche Reise geht, ist der GM als vielseitiger Begleiter die richtige Wahl. Doch er bemerkt Schlupflöcher in der Erziehung und nutzt diese für sich aus. Erstlingsführer sollten sich unbedingt fachkundige Hilfe bei der Ausbildung suchen, um die ausgeprägte Leistungsbereitschaft des Großen Münsterländers in die richtigen Bahnen zu lenken. 

 

Ein arttypisches Lebensumfeld vorausgesetzt, gilt der Große Münsterländer als anhänglich und kinderfreundlich. Gerne verbringt der GM sämtliche Zeit eng an der Seite seiner Familie. Sportliche Aktivitäten macht der GM freudig mit. Für reine Hundesportler ist diese Rasse jedoch ungeeignet. Sie könnten die Hunde zwar in gewisser Weise auslasten, die Jagdpassion jedoch bliebe bestehen und es wäre eine Schande, wenn sie nicht ausleben dürfen, wofür sie gezüchtet wurden.


 

© Text: Franziska Kühl

© Bilder: Franziska Kühl & Andrea Ingebrand

G R O ß E R   M Ü N S T E R L Ä N D E R   J A G D G E B R A U C H S H U N D

Der  vielseitig einsetzbare Jagdhund für die Wald-, Feld- und Wasserarbeit, vor und nach dem Schuss.


Aktualisierung: 13.08.2022 / Rubrik: Aktuelles

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