Aktuelles 2016



Bracke vs. GM

Ein Vergleich der Rassen Dt. Bracke und GM unter

besonderer Berücksichtigung der hohen Schwarzwildbestände

Man hat mich gebeten den Großen Münsterländer einmal mit den Bracken zu vergleichen. Im Folgenden soll dies am Vergleich der Rassen Deutsche Bracke und mit dem Großer Münsterländer geschehen. Beide Rassen habe ich gezüchtet und mit beiden Rassen nehmen wir jede Saison an etlichen Drückjagden auf Schwarzwild teil und führen sie im jagdlichen Alltag.

 

Beginnen wir mit der Deutschen Bracke: Die Deutsche Bracke ist ein Spezialist. Zwar gibt es Bracken, die begeistert schwimmen und apportieren, eine Garantie einen solchen Hund zu bekommen, gibt es aber nicht. Die Ausbildung der Dt. Bracke unterscheidet sich deutlich von der der kontinentalen Vorsteher. Wer sich einer Bracke zuwendet und meint einfach seine Erfahrungen mit den Vorstehern übertragen zu können, hat beste Chancen zu scheitern. Bracken müssen mit viel Konsequenz und fast ohne Härte ausgebildet werden. Im Zweifel verweigert sich die Bracke einfach, auch ist sie eher nachtragend. Ein Vorsteher erzieht sich im direkten Vergleich quasi von selbst und verzeiht viele Fehler.

 

Bracken sind absolute Lauf- und Nasentiere. Diese Eigenschaften machen sie zu totsicheren Findern, die Bracken finden immer (!) und werden so zu den Jokern auf der Saujagd. Die Bracke ist der Hund von dem in Bezug auf das Finden alle übrigen Hunde(-rassen) gestochen werden. Gerade im schwersten Gelände, (Maiswüsten, Schwarzdornkomplexen, verwilderte Weinberge, Schilffauen, große Windwurfflächen) oder unter eher widrigen Witterungsbedingungen (zu warm) hält eine Bracke noch durch, wenn andere Hunde bereits die weiße Fahne hissen. Bracken jagen weiträumig, fährten- und spurfanatisch. Der große Fährtenwille gepaart mit gut gefestigten Anlagen (Laut, Fährtensicherheit, Nase, Laufvermögen) ist die größte Stärke aber auch die größte Schwäche der Bracken. Sie jagen ggf. völlig losgelöst um des Jagens willen und auch weit. Je nach Hund und häufig am Rotwild kann dieses Jagen auch sehr weit sein. Ich habe noch nie einen Vorsteher über Nacht in einem Revier lassen müssen, bei den Bracken ist es zwar sehr selten, aber dennoch schon vorgekommen. Alle meine Hunde sind auf der Drückjagd mit GPS besendert, bei den Vorstehern wäre dies aber nicht zwingend nötig. Bei den Bracken beruhigt es jedoch sehr das eigene Nervenkostüm und erspart einem ggf. stundenlanges Warten. Man ist deshalb beinahe geneigt, den Verkehrstod als natürlichen Brackentod in unserer Hochzivilisation anzusehen. Bei dem fest genetisch verankerten Spurlaut und dem weiten, oft auch noch solo Jagen der Bracken rollt mit dem zurückgekehrten Wolf eine weitere Bedrohung auf die Bracken zu.

 

Als Korrektiv zum weiten Jagen verfügen die Bracken über einen herausragenden Orientierungssinn. Dieser eignet die Bracken auch gut, um sie auch vom Stand zu schnallen. Für den durchgehenden Hundeführer ist eine Bracke risikobeladen, weil er dann ggf. auch einmal länger allein im Wald unterwegs ist. Die Konzeptionen Standschnaller und  durchgehende Hundeführer können sich daher gut ergänzen, wobei die vom Stand geschnallten Hunde wieder die weiträumigen Finder bilden, was eben der Natur der Bracke entspricht. Die Schärfe ist bei Bracken unterschiedlich ausgeprägt und auch eine Frage der Erfahrung. Es gibt raubwild- und schwarzwildscharfe Dt. Bracken. Natürlich ist eine Bracke in ihren körperlichen Mitteln begrenzt.

 

Der Große Münsterländer hat viele gute Eigenschaften und andererseits gewisse Nachteile der Bracken nicht. Es wäre deshalb vollkommen kontraproduktiv mit den Bracken in Konkurrenz treten zu wollen und die rassespezifischen Stärken des GM zu vernachlässigen. Der VGM sollte daher besser potentielle, eigene Schwächen der Rasse vermindern und ihre Stärken ausbauen/festigen.

 

Der GM bildet mit seiner weniger ausgeprägten Neigung zum Vorstehen, seinem häufigen Suchen mit tiefer Nase, seinem Finde- und Folgewillen eine Art Mittelstellung zwischen den übrigen gebräuchlichen Vorstehern bspw. dem DK/DD und den Bracken und Stöberhunden. Durch seine Führerbindung eignet er sich hervorragend um den durchgehenden Hundeführer zu begleiten. Weitere Pluspunkte sind sein körperliches Potential am Schwarzwild, bei den helleren Exemplaren die natürliche Warnfarbe und der gefestigte Laut. Für den führernahen Hund reicht Sicht- und Standlaut völlig aus. Der GM ist breiter aufgestellt als das Spezialistentum der Bracken und deutlich leichter lenkbar. Für die heute in den Sauenrevieren überwiegend (noch) praktizierte Niederwildjagd mit Schwerpunkten auf Wasser- und Raubwildjagd, jedoch ohne die klassischen Feldsuchen und NW-Treibjagden ist der GM ein beinahe perfekter Allrounder. Insbesondere in der Wasserarbeit ist er meines Erachtens herausragend. Hunde, die sich hier unter schweren Bedingungen bewähren, sind auch oft auch gute Hunde für die Saujagd, das gilt ebenso umgekehrt.

 

Ich lehne das Standschnallen für alle Hunde(-rassen) ab. Dies hat etwas mit Führerbindung, Gefährdung, Weitjagen usw. zu tun, soll hier aber nicht näher ausdifferenziert werden. Einen GM aber nun als Eintrittskarte für Drückjagden und als vom Stand zu schnallenden Hund zu missbrauchen, ist besonders absurd und wird dem Hund nicht gerecht. Der VGM sollte von diesem Baum der verbotenen Früchte keinesfalls kosten (wollen). Dagegen kann der GM als führernaher Hund zielgerichtet eingesetzt werden und seine Stärken ausspielen. So wie es schön ist, in einem Kartenspiel einen Joker zu haben (eine Bracke), so funktioniert dennoch kein Kartenspiel nur mit Jokern. Der GM ist eher das Ass im Ärmel, wenn es hart auf hart kommt, wenn der angebleite Fuchs mal eben aus der Jagd heraus geklärt und zur Strecke gebracht werden soll, wenn die übrigen Hunde die kranke Sau stellen aber nicht sicher binden oder wenn die geflügelte Ente, schlimmer die Gans oder der Schwan anderen Hunden das Leben zu schwer macht.

 

Der GM ist der vielseitigere Hund und auch einem Erstlingsführer zu empfehlen. In den Spezialaufgabengebieten, hier: weiträumiges Suchen und sicheres Finden, wird er vermutlich niemals, wenn nur zu einem überhöhten Preis, gegen angestammte Rassen punkten können. So wie die größte Stärke der Bracken auch ihre größte Schwäche ist, so ist eine vermeintliche Schwäche des GM in Wahrheit eine Stärke.

 

Wenn man sich aber schon einen so großen Hund wie einen GM hält, dann sollte er auch halten können, was man von einem solchen Hund erwartet. Wild-, Raubwild- und Schwarzwildschärfe sind deshalb für einen GM unerlässlich. Damit man beim heiklen Thema Schärfe nicht die Fehler anderer Rassen nachahmt/wiederholt, muss unbedingt auf ein stabiles, ausgeglichenes Wesen geachtet werden. Das wiederum verhindert quasi zwangsläufig, dass man die Hunde immer mehr „hochzüchtet“, leichtführiger und frühreifer haben möchte. Auch dürfen keine Gefälligkeits-HN erbracht und bezeugt werden. Der GM sollte eher der harte, verlässliche Arbeiter als die Ballerina oder das Rennpferd sein. Dieser Diven-Charakter entspräche dann auch eher wieder dem der Bracken.

 

Das wichtigste überhaupt aber ist, die körperliche Gesundheit und Fitness der Rasse GM. Minderstark ausgeprägte Anlagen kann ein Hund immer noch entwickeln. Ein umweltoffener, psychisch stabiler Hund wird sich seinem Hundeführer anpassen und von ihm und mit ihm lernen. Was aber wenn der Hund leisten will aber nicht kann? Die größte Gefahr im Mais, an einem schönen Tag im Altweibersommer oder bei einer erschwerten Nachsuche auf die Milchweizensau oder den Blattzeitbock sind nicht die Sauen oder der Straßenverkehr, es ist die fehlende Fitness der Hunde, die zu schnell überhitzen und abbauen. Ein fitter GM wird auch mit großen Sauen fertig oder kann wenigstens immer noch angemessen an zu starken Sauen reagieren. Ein nicht fitter Hund ist unterlegen. Ich schreibe diese Zeilen in Kenntnis der Bergmannschen Regel und des „Kühlsystems“ des Hundes. Dennoch gibt es auch große Hunde, die noch ganz agil auf den Beinen sind, während andere bereits die Segel streichen. Es gibt auch große Hunde, die sechs Drückjagden in acht Tagen wegstecken und andere, denen dies nicht gelingt. Sollte der GM aber eine fitte Rasse sein/werden, die nicht durch körperliche Defizite ausgebremst wird, ist auch hier ein stabiles, ausgeglichenes Wesen unerlässlich, damit der Hund nicht sich selbst und seiner Umwelt zur Qual wird.

 

Wenn die Jagd fortbestehen kann, was angesichts des gesamtgesellschaftlichen Wahnsinns allerdings zweifelhaft ist, dann ist der GM auch unter der Verschiebung zur Schwarzwildbejagung eine sehr gute Wahl und als Hund Nummer eins zu empfehlen. Wenn ferner der VGM sich auf die Stärken seiner Rasse besinnt, diese festigt und Fehler zurückdrängt oder besser gleich vermeidet, dann braucht die Rasse GM nur noch geeignete Führer und Züchter um einer guten Zukunft entgegenzusehen.

 

Angesichts der extrem ansteigenden Wolfspopulationen werden sich manche, vereinzelt mafiös agierende Stöberhundevereine noch gewaltig umgucken. Das teilweise regelrecht diffamierte Konzept des seine Hunde begleitenden, durchgehenden Hundeführers, (nicht Durchgehschütze, so etwas ist allerdings strikt abzulehnen), wird vermutlich noch mit ganz anderen Augen erneut betrachtet werden. Ein führernaher Hund ist wesentlich sicherer vor Wolfsangriffen als ein durch Sonne, Mond und Sterne jagender, spurlauter Solojäger. Ein GM hat mit Schutzweste und Wolfshalsband noch eine gewisse Chance gegen einen Wolf, bei mehreren GMs könnte es sogar dem (europäischen) Wolf an den Kragen gehen, eine Bracke jwd (ganz weit draußen) hat diese Chance nicht.  

 

Aber auch unabhängig vom Wolf erkennt man vereinzelt selbst bis in die Vorstände des ein oder anderen Bracken- und Stöberhundevereins, dass die alleinseligmachende Konzeption des vom Stand geschnallten Hundes auf Schwarzwild nicht hinreichend zielführend ist. In einigen Forstämtern beginnt man aus Erfahrungen der Ineffizienz umzudenken und auf Schwarzwild wieder vermehrt auf durchgehende Hundeführer zu setzen. Der VGM kann sich deshalb gelassen zurücklehnen, wenn er seine Hausaufgaben macht/gemacht hat; das heißt: Gesunde, harte und dadurch physisch wie psychisch belastbare Hunde innerhalb des Anlagenspektrums des GM zu züchten. Außerhalb der klassischen Stöberjagd auf das übrige Schalenwild (besonders Reh- und RW, jedoch nicht auf Schwarzwild) ferner der Funktion als weiträumiger, sicherer Finder, dem Brackieren und der Baujagd kann der GM sowie so fast alles besser als seine vermeintlichen Konkurrenten aus dem Bracken-, Bauhund- und Stöberhundelager. 

 

Carl Cosack